aktualisiert: 27. Februar 2009

 

125 Jahre elektrische Straßenbahn
in Frankfurt (M) und Offenbach

 

Presseinformation des AK

Presseinformation der VGF (längerer Aufsatz)


Die Organisatoren und Festredner (v.l.n.r.)
Volker Hartmann (Bürgerverein Oberrad), Dr. Frank Wittendorfer (Siemens Archiv), Stadtrat Lutz Sikorski,
Volker Lampmann (OVB), Klaus Bodens (HSF), Holger Scheel (Fahrgastverband PRO BAHN)


Saalbau Depot Oberrad; Fotos Wentzell (2), Siemens Archiv (4 )


Depot Oberrad mit Kraftwerk


Oberrad, Offenbacher Landstraße


Marktplatz Offenbach


Wagen 11 aus der Gründerzeit


Exponat im Verkehrsmuseum Frankfurt


Foto: hr

Zur Hessenschau vom 18. Februar 2009 kommen Sie hier

Zur Sendung Rhein-Main Aktuell von rmtv vom 18. Februar 2009 kommen Sie hier

 

Frankfurter Neue Presse vom 20. Februar 2009

Ein Wiedersehen
mit der alten Knochenmühle

Der Schaffner der ersten elektrischen Straßenbahn Deutschlands, die vor 125 Jahren auf der Strecke von Sachsenhausen über Oberrad nach Offenbach in Betrieb genommen wurde, musste wetterfest sein: Er stand während der Fahrt im Freien. Nur ein Dach schützte ihn vor Regen oder Schnee, wie eine alte Fotografie dokumentiert, die bei der Jubiläumsfeier im Bürgertreff Depot per Beamer an die Wand projiziert wurde. Interesse und Faszination an der Historie der Straßenbahn sind groß: Die Sitzplätze im Saal waren sehr schnell belegt. Rund 350 Besucher hatten sich eingefunden. Viele mussten deswegen stehen bleiben.

Organisiert wurde das Ereignis vom Arbeitskreis «125 Jahre elektrische Straßenbahn», an dem sich Mitglieder aus fünf verschiedenen Vereinen beteiligten: Neben dem Bürgerverein und dem Oberräder Heimat- und Geschichtsverein auch der Fahrgastverband Pro Bahn, der Offenbacher Geschichtsverein sowie der Verein des Verkehrsmuseums in Schwanheim «Historische Straßenbahn der Stadt Frankfurt».

Einer, der sich seit vielen Jahren für die Geschichte der Straßenbahn interessiert, ist Fabian Göbel (29). Er kommt aus einer Familie, in der vier Generationen als Bahnbeamte gearbeitet haben. Fabian Göbel hat diesen Weg nicht eingeschlagen und studiert BWL. Seit Mai 2005 engagiert er sich aber ehrenamtlich im Verein «Historische Straßenbahn der Stadt Frankfurt» und bereitet derzeit mit sechs weiteren Mitgliedern eine Ausstellung zum 125-jährigen Bestehen der elektrischen Straßenbahn vor, die vom 25. April an im Schwanheimer Verkehrsmuseum zu sehen ist. Ein kleiner Ausschnitt hieraus wurde anlässlich der Feier im Depot präsentiert.
 
Auf einer Stellwand ist die Anfangszeit der Tram zwischen 1884 und 1906 fotografisch und mit Text dokumentiert. «Bis 1906 fuhr die elektrische Straßenbahn auf einer so genannten Meterspurstrecke, also mit einem Schienenabstand von einem Meter.» Danach sei eine Regelspur von 1,435 Metern eingeführt worden. Betrieben wurde die Strecke von der Frankfurt-Offenbacher Trambahn Gesellschaft (FTGO). Die Recherche gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Teams, das die Ausstellung vorbereitet. Die Infos haben sie aus verschiedenen Archiven zusammengetragen, unter anderem aus dem Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt und aus dem Stadtarchiv Offenbach, aber auch aus Privatsammlungen und dem Siemens-Archiv. Das Unternehmen hat einst die Technik für die erste elektrische Straßenbahn geliefert.

Aus München kam auch Gastredner Frank Wittendorfer angereist, der das Siemens-Archiv leitet und über die frühen Jahre der elektrischen Straßenbahn von Sachsenhausen nach Offenbach referierte. Die Strecke hatte ihren Ausgangspunkt an einer Haltestelle an der Alten Brücke. Von dort aus fuhr sie am 18. Februar 1884 zunächst nach Oberrad zum Buchrainplatz – mit einer Geschwindigkeit von nur 12 Kilometern in der Stunde. Heute fährt sie bis zu 50 Stundenkilometer. Trotzdem wurde einigen Fahrgästen damals noch schlecht. Die Tram war allerdings auch nicht sonderlich bequem und wurde im Volksmund gerne als «Knochenmühle» bezeichnet. Knapp zwei Monate später, am 10. April, als der zweite Bauabschnitt abgeschlossen war, führte der Weg sogar bis zum Mathildenplatz in Offenbach. Die Linie 16 fährt noch heute auf einem Teil dieser historischen Strecke.

«Seit 1996 endet sie an der Stadtgrenze», weiß Holger Scheel vom Fahrgastverband Pro Bahn. War die elektrische Straßenbahn früher ein Zeichen des technischen Fortschritts, so hat sie ihre Bedeutung für den öffentlichen Nahverkehr bis heute nicht verloren, auch wenn sie längst fest zum Stadtbild gehört.
alf

FAZ vom 20.02.2009

 

 

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